{"id":3462,"date":"2022-02-21T09:39:37","date_gmt":"2022-02-21T08:39:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/?p=3462"},"modified":"2022-02-22T09:41:53","modified_gmt":"2022-02-22T08:41:53","slug":"studie-schuldenbarometer-2021-fast-doppelt-so-viele-private-insolvenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/2022\/02\/21\/studie-schuldenbarometer-2021-fast-doppelt-so-viele-private-insolvenzen\/","title":{"rendered":"Studie Schuldenbarometer 2021: Fast doppelt so viele private Insolvenzen"},"content":{"rendered":"<h4>1. Knapp 109.000 Privatinsolvenzen im Jahr 2021<\/h4>\n<p>Die Privatinsolvenzen in Deutschland sind im Jahr 2021 deutlich angestiegen. Insgesamt gab es 109.031 private Insolvenzen und damit um 93,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (2020: 56.324). So lauten die zentralen Ergebnisse aus dem aktuellen &#8222;Schuldenbarometer 2021&#8220; des Informationsdienstleisters CRIF. Nach zehn Jahren sinkender Fallzahlen steigen die Privatinsolvenzen 2021 damit erstmals wieder an, liegen jedoch weiter unter dem bisherigen Rekord von 139.110 Privatinsolvenzen aus dem Jahr 2010.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/01-crif-privatinsolvenzen-deutschland-jahresvergleich-chart.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<p>&#8222;Der starke Anstieg an Privatinsolvenzen im letzten Jahr ist gr\u00f6\u00dftenteils darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass viele Privatpersonen entsprechende Antr\u00e4ge auf eine Insolvenz im Jahr 2020 zur\u00fcckgehalten haben. Die Betroffenen wollten von einer Gesetzesreform profitieren und die angek\u00fcndigte Reduzierung der Laufzeit des Verfahrens von sechs auf drei Jahre nutzen und stellten den Antrag folglich erst im Jahr 2021&#8220;, erkl\u00e4rt CRIF Deutschland Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dr. Frank Schlein. &#8222;Dieser Aufholeffekt trieb die Zahl der Privatinsolvenzen 2021 stark nach oben&#8220;, so Dr. Schlein.<\/p>\n<p>Zudem hatten im letzten Jahr die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie einen Einfluss auf die Privatinsolvenzzahlen. Bei vielen Arbeitnehmern und Selbstst\u00e4ndigen, die w\u00e4hrend der Pandemie ihre Arbeit ganz oder teilweise verloren haben, sind die finanziellen Polster irgendwann aufgebraucht. In Deutschland wurde mit erheblichem finanziellen Aufwand und zahlreichen Hilfspaketen versucht, den wirtschaftlichen Schaden gering zu halten. Diese Ma\u00dfnahmen haben sich  sicher positiv auf die Zahlungsf\u00e4higkeit von Privathaushalten ausgewirkt. Ansonsten w\u00e4ren 2021 noch mehr Privatinsolvenzen m\u00f6glich gewesen. &#8222;Die Corona-Pandemie hat aufgezeigt, wie schnell unvorhersehbare externe Ereignisse Menschen unerwartet in eine finanzielle Schieflage bringen k\u00f6nnen&#8220;, sagt Dr. Schlein.<\/p>\n<p>Auch der Anteil der ehemals Selbstst\u00e4ndigen, die eine Privatinsolvenz anmelden m\u00fcssen, stieg 2021 stark an. Soloselbstst\u00e4ndige und Honorarkr\u00e4fte aus unterschiedlichsten Branchen haben in der Pandemie von einem Tag auf den anderen nahezu ihr komplettes Einkommen verloren. In der Folge gingen die oft ohnehin geringen Eink\u00fcnfte weiter zur\u00fcck und das Ersparte war schnell aufgezehrt &#8211; Kredite, Ratenzahlungen oder Mieten k\u00f6nnen nicht mehr beglichen werden. So zeigen Zahlen, dass sich die Zahl der Selbstst\u00e4ndigen, die f\u00fcr ihren Lebensunterhalt finanzielle Unterst\u00fctzung aus der staatlichen Grundsicherung beziehen, nach Angaben der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit (BA) im Verlauf der Corona-Pandemie versechsfacht hat.<\/p>\n<p>Im Jahr 2022 bleibt die finanzielle Lage der Verbraucher in Deutschland angespannt. Viele Menschen, die in der Corona-Pandemie Einkommenseinbr\u00fcche z.B. durch Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit erlitten haben, haben versucht, durchzuhalten und eigenst\u00e4ndig durch R\u00fccklagen oder privat geliehenem Geld mit ihrer finanziellen Lage zurechtzukommen.<\/p>\n<p>&#8222;Die finanziellen Reserven vieler Betroffener sind aufgebraucht. Dazu kommen die stetig steigenden Miet- und Energiepreise. Daher gehen wir auch 2022 von weiter hohen Privatinsolvenzzahlen aus. In diesem Jahr sind erneut bis zu 110.000 F\u00e4lle m\u00f6glich&#8220;, so Dr. Schlein.<\/p>\n<p>Es ist zudem ein Irrglaube, dass Personen, die eine Privatinsolvenz anmelden, zwingend hoch verschuldet sein m\u00fcssen. Ein Gro\u00dfteil der Personen, die eine Privatinsolvenz anmelden, haben in der Gesamtsumme Schulden unter 10.000 \u20ac. Die mittlere Schuldenh\u00f6he liegt derzeit bei knapp unter 19.000 \u20ac.<\/p>\n<h4>2. Privatinsolvenzen nach Bundesl\u00e4ndern: Am meisten Privatinsolvenzen in Bremen, Niedersachsen und Hamburg<\/h4>\n<p>Bundesweit gab es im Jahr 2021 131 Privatinsolvenzen berechnet auf 100.000 Einwohner. Der regionale Trend der letzten Jahre hielt auch 2021 an: Die n\u00f6rdlichen Bundesl\u00e4nder sind st\u00e4rker von Privatinsolvenzen betroffen als der S\u00fcden Deutschlands. So f\u00fchrt Bremen die Statistik mit 247 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohnern an. Es folgen Niedersachsen mit 180 und Hamburg mit 172 Insolvenzf\u00e4llen je 100.000 Einwohner. \u00dcber Bundesdurchschnitt rangieren mit Mecklenburg-Vorpommern (170), Schleswig-Holstein (163), Saarland (160), Nordrhein-Westfalen (152), Berlin (137), Brandenburg (135) und Sachsen-Anhalt (132) sieben weitere Bundesl\u00e4nder. Am wenigsten Privatinsolvenzen verzeichneten 2021 Bayern (86 F\u00e4lle je 100.000 Einwohner), Baden-W\u00fcrttemberg (99) und Th\u00fcringen (109).<\/p>\n<p>Absolut gesehen stehen die Bundesl\u00e4nder Nordrhein-Westfalen (27.263), Niedersachsen (14.384) und Bayern (11.345) an der Spitze der Insolvenzstatistik.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/02-crif-privatinsolvenzen-pro-bundesland-2021-100000-einwohner-chart.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<h4>3. Prozentuale Ver\u00e4nderungen: In sieben Bundesl\u00e4ndern mehr als eine Verdopplung der Privatinsolvenzen<\/h4>\n<p>In sieben Bundesl\u00e4ndern haben sich die Privatinsolvenzen im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Allen voran Hamburg (plus 135 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (plus 132,2 Prozent). Deutliche Anstiege gab es auch in Berlin (plus 122,8 Prozent), Bremen (plus 118 Prozent), Nordrhein-Westfalen (plus 104,6 Prozent), im Saarland (plus 103,9 Prozent) und Th\u00fcringen (plus 101,4 Prozent). Den geringsten Anstieg gab es 2021 in Sachsen-Anhalt mit einem Plus von 39 Prozent.<\/p>\n<h4>4. Privatinsolvenzen nach Geschlecht: Mehr M\u00e4nner von einer Privatinsolvenz betroffen<\/h4>\n<p>Der Trend der letzten Jahre, dass in Deutschland eher M\u00e4nner von einer Privatinsolvenz betroffen sind als Frauen, setzt sich  auch 2021 fort. 60,1 Prozent oder  65.561 der Privatinsolvenzen wurden von M\u00e4nnern gemeldet. Auch im relativen Vergleich der Geschlechter sind die M\u00e4nner f\u00fchrend. Auf 100.000 M\u00e4nner entfielen 160 Privatinsolvenzen. Demgegen\u00fcber stehen 103 Privatpleiten je 100.000  Einwohnerinnen. Die prozentualen Ver\u00e4nderungen im Vergleich zum Jahr 2020 sind bei M\u00e4nnern (plus 93,6 Prozent) und Frauen (plus 93,5 Prozent) nahezu gleichauf.<\/p>\n<h4>5. Privatinsolvenzen nach Alter: Verdopplung der Privatinsolvenzen bei den \u00e4lteren Bundesb\u00fcrgern<\/h4>\n<p>Die Privatinsolvenzen sind in 2021 \u00fcber alle Altersgruppen hinweg angestiegen. Die gr\u00f6\u00dften Zuw\u00e4chse gab es in der Altersgruppe 61 Jahre und \u00e4lter (plus 103,3 Prozent). Es folgen die Gruppen der 31-bis 40-J\u00e4hrigen (plus 96,7 Prozent) und der 51-bis 60-J\u00e4hrigen (plus 92,5 Prozent).<\/p>\n<h4>6. Hintergrund: \u00dcberschuldung und Verschuldung<\/h4>\n<p>Verschuldung beschreibt generell das Vorhandensein von Schulden, nicht jedoch, ob Verbindlichkeiten der Verbraucher tats\u00e4chlich auch zur\u00fcckgezahlt werden k\u00f6nnen. Demnach ist bereits ein Verbraucher, der sich Geld leiht oder einen Kredit aufnehmen muss, verschuldet. F\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung ist &#8222;Schuldenaufnahme&#8220; bzw. &#8222;Verschuldung&#8220; l\u00e4ngst zur Normalit\u00e4t geworden, um Immobilien und Konsumg\u00fcter langfristig per Kredit zu finanzieren. Aber auch Nullprozent-Finanzierungen oder Kreditkartenk\u00e4ufe im Rahmen des allt\u00e4glichen Konsums erh\u00f6hen die Ausgaben der Konsumenten. Das ist  unproblematisch, so lang Verbraucher ihre Zahlungsverpflichtungen sowie die f\u00e4lligen Ausgaben zur Sicherung des Lebensunterhalts bestreiten k\u00f6nnen. Falls das Einkommen nicht dazu ausreicht, Schulden fristgerecht \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum zu tilgen (nach Abzug der Lebenshaltungskosten und trotz Reduzierung des Lebensstandards), gilt der Betroffene als \u00fcberschuldet. Die wichtigsten Negativmerkmale von \u00dcberschuldung sind bei Privatpersonen die Nichtabgabe der Verm\u00f6gensauskunft (fr\u00fcher Haftanordnung und Eidesstattliche Versicherung), Gl\u00e4ubigerbefriedigung ausgeschlossen und Privatinsolvenzen.<\/p>\n<p>Die Schulden von Privatpersonen, die sich auf die eigene Existenzgrundlage beziehen, nennt man Prim\u00e4rschulden. Darunter fallen u.a. Miet- und Energieschulden sowie Schulden bei Telefongesellschaften. Als Sekund\u00e4rschulden werden die \u00fcbrigen Schulden bezeichnet \u2013 etwa ein privates Darlehen oder eine Finanzierung. Bestimmte Sekund\u00e4rschulden sind im Gegensatz zu den Prim\u00e4rschulden problematisch, wenn die Kosten f\u00fcr den Lebensunterhalt steigen: So setzen Nullprozent-Finanzierungen einen gef\u00e4hrlichen Konsumanreiz, indem sie die Ausgaben der Betroffenen erh\u00f6hen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/03-crif-privatinsolvenzen-pro-bundesland-2021-absolut-jahresvergleich-chart.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic;\">Quelle: CRIF GmbH<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Knapp 109.000 Privatinsolvenzen im Jahr 2021 Die Privatinsolvenzen in Deutschland sind im Jahr 2021 deutlich angestiegen. Insgesamt gab es 109.031 private Insolvenzen und damit um 93,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (2020: 56.324). So lauten die zentralen Ergebnisse aus dem aktuellen &#8222;Schuldenbarometer 2021&#8220; des Informationsdienstleisters CRIF. 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