{"id":3427,"date":"2020-09-07T10:48:30","date_gmt":"2020-09-07T09:48:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/?p=3427"},"modified":"2020-09-15T10:53:29","modified_gmt":"2020-09-15T09:53:29","slug":"ruhe-vor-dem-sturm-privatinsolvenzen-sinken-in-deutschland-weiter-starker-anstieg-in-2021-erwartet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/2020\/09\/07\/ruhe-vor-dem-sturm-privatinsolvenzen-sinken-in-deutschland-weiter-starker-anstieg-in-2021-erwartet\/","title":{"rendered":"Ruhe vor dem Sturm: Privatinsolvenzen sinken in Deutschland weiter &#8211; starker Anstieg in 2021 erwartet"},"content":{"rendered":"<h4>1. Einleitung: Privatinsolvenzen sinken um 8,4 Prozent<\/h4>\n<p>Die Privatinsolvenzen in Deutschland verringerten sich im 1. Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,4 Prozent. In den ersten sechs Monaten des Jahres mussten 38.695 Verbraucher eine Insolvenz anmelden &#8211; und damit so wenig wie seit 2004 nicht mehr. Zu diesem Ergebnis kommt der Informationsdienstleister CRIFB\u00dcRGEL in der neuen Studie &#8222;Schuldenbarometer 1. Halbjahr 2020&#8220;. Im Vergleich zum Insolvenzrekordjahr 2010, als 69.417 Privatpersonen im 1. Halbjahr eine Insolvenz anmelden mussten, sind die Fallzahlen um 44,3 Prozent gesunken.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/01-privatinsolvenzen-deutschland-jahresvergleich-chart_10.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<p>In der ersten Jahresh\u00e4lfte ist in der Summe bisher kaum ein Effekt der Corona-Krise auf die Entwicklung der Privatinsolvenzen zu sehen. Anfang des Jahres, in der Zeit vor der Corona-Krise, waren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen f\u00fcr viele Verbraucher noch gut. Der R\u00fcckgang der Privatinsolvenzen lag wie in den letzten Jahren vor allem an der niedrigen Arbeitslosenquote in Deutschland. Mittlerweile hat sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt jedoch verschlechtert. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die  Zahl der Arbeitslosen im Juni um 637.000 oder 29 Prozent erh\u00f6ht. Zudem wurde bis Juni f\u00fcr \u00fcber 11 Millionen Menschen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt.<\/p>\n<p>&#8222;Kurzarbeit und auch eigene finanzielle Ersparnisse mildern aktuell zun\u00e4chst die finanzielle Schieflage vieler Bundesb\u00fcrger ab. In einigen F\u00e4llen helfen auch weitere Kredite&#8220;, erkl\u00e4rt CRIFB\u00dcRGEL Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dr. Frank Schlein.<\/p>\n<p>Durch die aktuelle Wirtschaftskrise wird die private Verschuldung aber deutlich zunehmen. F\u00fcr das zweite Halbjahr und auch im Jahr 2021 erwartet CRIFB\u00dcRGEL deutlich mehr Privatinsolvenzen in Deutschland. &#8222;F\u00fcr das laufende Jahr gehen wir von bis zu 85.000 Privatinsolvenzen aus &#8211; 2021 k\u00f6nnten es \u00fcber 100.000 werden&#8220;, so Schlein. &#8222;Da in den Insolvenzstatistiken vor allem die Vergangenheit abgebildet wird, sie gewisserma\u00dfen ein Blick in den R\u00fcckspiegel sind, werden die wirtschaftlichen Folgen durch die Corona-Krise erst im 2. Halbjahr 2020 und auch verst\u00e4rkt 2021 einen Einfluss auf die Insolvenzzahlen haben&#8220;, erkl\u00e4rt Schlein.<\/p>\n<p>Wenn die Arbeitslosigkeit ansteigt, wird es wieder mehr Insolvenzen in Deutschland geben, da die Personen bei weiterhin hohen Kosten \u00fcber weniger Geld verf\u00fcgen. Aber nicht nur Arbeitslosigkeit, sondern auch der starke Anstieg von Kurzarbeit wird die Zahl der Privatinsolvenzen erh\u00f6hen.  Die Menschen werden dadurch weniger Geld in der Tasche haben, um ihren Verpflichtungen wie Kreditzahlungen, Mieten oder Finanzierungen nachzukommen. Auf Dauer f\u00fchrt weniger Einkommen erst in die \u00dcberschuldung und dann in die Privatinsolvenz.<\/p>\n<p>Bereits jetzt gelten circa 6,8 Millionen B\u00fcrger als \u00fcberschuldet. F\u00fcr viele dieser Personen kann ein Schock auf der Einkommensseite f\u00fcr ein erh\u00f6htes Risiko einer Privatinsolvenz sorgen. Hinzu kommt, dass Soloselbstst\u00e4ndige und Honorarkr\u00e4fte aus unterschiedlichsten Branchen von einem Tag auf den anderen ihr komplettes Einkommen verloren haben. Durch die Corona-Pandemie sind so viele B\u00fcrger v\u00f6llig unerwartet in eine finanzielle Schieflage geraten.<\/p>\n<h4>2. Privatinsolvenzen nach Bundesl\u00e4ndern: Bremen und Niedersachsen als Insolvenzhochburgen<\/h4>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/02-privatinsolvenzen-pro-bundesland-halbjahr-2020-100000-einwohner-chart.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<p>Die n\u00f6rdlichen Bundesl\u00e4nder sind auch 2020 st\u00e4rker von Privatinsolvenzen betroffen als der S\u00fcden Deutschlands. So f\u00fchrt Bremen die Statistik im 1. Halbjahr 2020 mit 90 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohnern an. Es folgt Niedersachsen mit 68 Insolvenzf\u00e4llen je 100.000 Einwohner.  Im Bundesdurchschnitt wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 47 Privatpleiten je 100.000 Einwohner angemeldet. \u00dcber diesem Schnitt rangieren auch die L\u00e4nder Sachsen-Anhalt (63), Schleswig-Holstein (62), Saarland und Hamburg (je 56), Mecklenburg-Vorpommern (52), Sachsen und Brandenburg (je 50) sowie Nordrhein-Westfalen (49). Am wenigsten Privatinsolvenzen meldeten im 1. Halbjahr 2020 Bayern (30 F\u00e4lle je 100.000 Einwohner), Baden-W\u00fcrttemberg (35) und Th\u00fcringen (36).<\/p>\n<p>In der Statistik der absoluten Privatinsolvenzzahlen stehen Nordrhein-Westfalen (8.825), Niedersachsen (5.454) und Baden-W\u00fcrttemberg (3.929) an der Spitze.<\/p>\n<h4>3. Prozentuale Ver\u00e4nderungen: In vier Bundesl\u00e4ndern steigen die Privatinsolvenzen<\/h4>\n<p>Auch wenn es einen bundesweiten R\u00fcckgang der Privatinsolvenzen von 8,4 Prozent gab, stiegen die Fallzahlen in vier Bundesl\u00e4ndern an. Allen voran Bremen mit einem Plus von 8,3 Prozent. Auch in Sachsen (plus 2,5 Prozent), Baden-W\u00fcrttemberg (plus 2,3 Prozent) und Hessen (plus 1,6 Prozent) gab es mehr Privatpleiten als im 1. Halbjahr 2019. Deutlich verringert haben sich die Fallzahlen hingegen in Mecklenburg-Vorpommern (minus 19,4 Prozent), Hamburg (minus 18,0 Prozent), Schleswig-Holstein und Saarland (jeweils minus 16,7 Prozent) und in Th\u00fcringen (minus 16,0 Prozent).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/03-privatinsolvenzen-pro-bundesland-halbjahr-2020-absolut-jahresvergleich-chart.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<h4>4. Privatinsolvenzen nach Geschlecht: Weiterhin mehr M\u00e4nner als Frauen von einer Privatinsolvenz betroffen<\/h4>\n<p>Der Trend der letzten Jahre, dass in Deutschland eher M\u00e4nner eine Privatinsolvenz anmelden m\u00fcssen als Frauen, setzt sich auch 2020 fort. 60,2 Prozent (23.301) aller Privatpleiten in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 betreffen M\u00e4nner. Auch im relativen Vergleich der Geschlechter sind die M\u00e4nner f\u00fchrend. Auf 100.000 M\u00e4nner entfielen im 1. Halbjahr 2020 57 Privatinsolvenzen. Demgegen\u00fcber stehen 39 Privatpleiten je 100.000 weibliche Einwohner.<\/p>\n<p>Der Hauptgrund daf\u00fcr, dass mehr M\u00e4nner eine Privatinsolvenz anmelden als Frauen, liegt darin, dass der Mann in vielen Familien weiterhin als Hauptverdiener und Haushaltsverantwortlicher gilt. Dieser kommt im Falle einer \u00dcberschuldung innerhalb der Familie f\u00fcr diese auf und meldet eine Privatinsolvenz an.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/04-privatinsolvenzen-halbjahr-2020-geschlecht-jahresvergleich-chart.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<h4>5. Privatinsolvenzen nach Altersgruppen: \u00c4ltere Bundesb\u00fcrger st\u00e4rker von einer Privatinsolvenz betroffen<\/h4>\n<p>Mit einer Ausnahme sind die Privatinsolvenzen in allen Altersgruppen r\u00fcckl\u00e4ufig. Auff\u00e4llig ist die Entwicklung in den beiden \u00e4ltesten Altersgruppen (61 Jahre und \u00e4lter). So stiegen die Privatpleiten bei den \u00e4lteren Bundesb\u00fcrgern um 3,0 Prozent auf 4.940 F\u00e4lle. Die Ursachen hierf\u00fcr sind unter anderem in der Zunahme der Niedriglohnbesch\u00e4ftigung und den damit verbundenen niedrigeren Renten zu finden. Grund hierf\u00fcr seien oftmals unterbrechungsreiche Erwerbsbiographien sowie hohe Kosten im Krankheitsfall, wodurch sich das Risiko einer Privatinsolvenz erh\u00f6he. Genauso k\u00f6nnen ehemalige Selbstst\u00e4ndige betroffen sein, bei denen die Altersvorsorge nicht ausreicht.<\/p>\n<p>Die Corona-Krise wird die Situation hinsichtlich Privatinsolvenzen und \u00dcberschuldung im Alter noch versch\u00e4rfen, da \u00e4ltere Bundesb\u00fcrger schwerer an Kredite als finanzielle kurzfristige Unterst\u00fctzung kommen. Zudem sind viele \u00e4ltere Menschen gezwungen, sich zu ihrer kleinen Rente noch etwas hinzuzuverdienen. F\u00fcr viele von ihnen ist die Corona-Krise eine existenzielle Bedrohung, da zahlreiche Minijobs weggebrochen sind.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/05-privatinsolvenzen-halbjahr-2020-alter-jahresvergleich-chart.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<h4>6. Hintergrund: \u00dcberschuldung und Verschuldung<\/h4>\n<p>Verschuldung beschreibt generell das Vorhandensein von Schulden, nicht jedoch, ob Verbindlichkeiten der Verbraucher tats\u00e4chlich auch zur\u00fcckgezahlt werden k\u00f6nnen. Demnach ist bereits ein Verbraucher, der sich Geld leiht oder einen Kredit aufnehmen muss, verschuldet.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung ist &#8222;Schuldenaufnahme&#8220; bzw. &#8222;Verschuldung&#8220; l\u00e4ngst zur Normalit\u00e4t geworden, um Immobilien und Konsumg\u00fcter langfristig per Kredit zu finanzieren. Aber auch Nullprozent-Finanzierungen oder Kreditkartenk\u00e4ufe im Rahmen des allt\u00e4glichen Konsums erh\u00f6hen die Ausgaben der Konsumenten. Das ist so lange unproblematisch, wie Verbraucher ihre Zahlungsverpflichtungen sowie die f\u00e4lligen Ausgaben zur Sicherung des Lebensunterhalts bestreiten k\u00f6nnen. Falls das Einkommen nicht dazu ausreicht, Schulden fristgerecht \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum zu tilgen (nach Abzug der Lebenshaltungskosten und trotz Reduzierung des Lebensstandards), gilt der Betroffene als \u00fcberschuldet. Die wichtigsten Negativmerkmale von \u00dcberschuldung sind bei Privatpersonen die Nichtabgabe der Verm\u00f6gensauskunft (fr\u00fcher Haftanordnung und Eidesstattliche Versicherung), Gl\u00e4ubigerbefriedigung ausgeschlossen und Privatinsolvenzen.<\/p>\n<p>Die Schulden von Privatpersonen, die sich auf die eigene Existenzgrundlage beziehen, nennt man Prim\u00e4rschulden. Darunter fallen u.a. Miet- und Energieschulden sowie Schulden bei Telefongesellschaften. Als Sekund\u00e4rschulden werden die \u00fcbrigen Schulden bezeichnet &#8211; etwa ein privates Darlehen oder eine Finanzierung. Bestimmte Sekund\u00e4rschulden sind im Gegensatz zu den Prim\u00e4rschulden problematisch, wenn die Kosten f\u00fcr den Lebensunterhalt steigen: So setzen Nullprozent-Finanzierungen einen gef\u00e4hrlichen Konsumanreiz, indem sie die Ausgaben der Betroffenen erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Privatpersonen haben vor allem Schulden bei Kreditinstituten, Versandh\u00e4ndlern, Versicherungen, Beh\u00f6rden, Vermietern, Energieversorgern und Telefongesellschaften.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic;\">Quelle: CRIF B\u00fcrgel GmbH<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Einleitung: Privatinsolvenzen sinken um 8,4 Prozent Die Privatinsolvenzen in Deutschland verringerten sich im 1. Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,4 Prozent. In den ersten sechs Monaten des Jahres mussten 38.695 Verbraucher eine Insolvenz anmelden &#8211; und damit so wenig wie seit 2004 nicht mehr. Zu diesem Ergebnis kommt der Informationsdienstleister CRIFB\u00dcRGEL in &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[203,22],"tags":[247,46,196,125,334,138,134,169,33,8,135,132,240,321,22],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3427"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3427"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3427\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3434,"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3427\/revisions\/3434"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3427"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3427"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3427"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}