{"id":3391,"date":"2020-02-28T09:36:22","date_gmt":"2020-02-28T08:36:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/?p=3391"},"modified":"2020-03-04T09:39:54","modified_gmt":"2020-03-04T08:39:54","slug":"neuer-tiefstand-bei-den-firmeninsolvenzen-berlin-ist-insolvenz-hauptstadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/2020\/02\/28\/neuer-tiefstand-bei-den-firmeninsolvenzen-berlin-ist-insolvenz-hauptstadt\/","title":{"rendered":"Neuer Tiefstand bei den Firmeninsolvenzen &#8211; Berlin ist Insolvenz-Hauptstadt"},"content":{"rendered":"<h4>1. Einleitung: Zehnter R\u00fcckgang in Folge<\/h4>\n<p>Die Zahl der Firmeninsolvenzen ist in Deutschland 2019 erneut gesunken. Insgesamt meldeten im vergangenen Jahr 19.005 Unternehmen eine Insolvenz an. Damit verringerten sich die Firmenpleiten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,8 Prozent (2018: 19.552 Firmeninsolvenzen). Durch den mittlerweile zehnten R\u00fcckgang in Serie sind die Firmeninsolvenzen 2019 auf einen neuen Tiefstand seit 1994 (18.820 F\u00e4lle) gesunken. Im Vergleich zum bisherigen Insolvenzh\u00f6chstjahr 2003, in dem es in Deutschland noch 39.320 Firmenpleiten gab, haben sich die Insolvenzf\u00e4lle 2019 damit mehr als halbiert.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/01-firmeninsolvenzen-deutschland-jahresvergleich-chart_7.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<p>&#8222;Die Firmen in Deutschland profitieren von einer verbesserten Eigenkapital-Ausstattung in Kombination mit der stabilen wirtschaftlichen Entwicklung. Angetrieben durch die Binnenkonjunktur und den privaten Konsum haben sich die Unternehmen in den letzten Jahren einen Puffer gegen Krisen aufgebaut&#8220;, kommentiert CRIFB\u00dcRGEL Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Ingrid Riehl die aktuellen Zahlen. Zudem k\u00f6nnen Firmen aufgrund des niedrigen Zinsniveaus ohne gro\u00dfe Probleme Kredite zu g\u00fcnstigen Konditionen aufnehmen.<\/p>\n<p>F\u00fcr das kommende Jahr erwartet CRIFB\u00dcRGEL allerdings einen Anstieg der Firmenpleiten auf 19 500 F\u00e4lle. &#8222;Die Abschw\u00e4chung der Konjunktur in Deutschland wird sich 2020 auch in den Insolvenzzahlen niederschlagen&#8220;, so Riehl.<\/p>\n<p>&#8222;Hinzu kommt die steigende Anzahl an Gro\u00dfinsolvenzen im Jahr 2019. In vielen F\u00e4llen sorgen so Dominoeffekte daf\u00fcr, dass zahlungsunf\u00e4hige Firmen zeitversetzt weitere Unternehmen mit in die Insolvenz ziehen&#8220;, analysiert Riehl. Die prominentesten Pleiten 2019 betrafen beispielsweise Thomas Cook, Germania, die Modekette Gerry Weber oder den TV-Hersteller Loewe.<\/p>\n<p>Die durch Firmeninsolvenzen verursachten Sch\u00e4den summierten sich im Jahr 2019 auf knapp 25 Milliarden Euro. Im Durchschnitt entstanden damit f\u00fcr die Gl\u00e4ubiger Forderungsausf\u00e4lle von knapp 1,3 Millionen Euro pro Insolvenz.<\/p>\n<h4>2. Firmeninsolvenzen je Bundesland: Berlin ist Insolvenz-Hauptstadt<\/h4>\n<p>Die h\u00f6chste Insolvenzdichte gab es 2019 in Berlin. In der Hauptstadt mussten 90 von 10.000 Unternehmen eine Insolvenz anmelden. Der Bundesdurchschnitt lag bei 58 Pleiten je 10.000 Firmen.  \u00dcber diesem Wert rangieren neben Berlin auch das Saarland (85 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen), Nordrhein-Westfalen (82), Hamburg (80), Bremen (79), Sachsen-Anhalt (70) und Schleswig-Holstein (68). Die wenigsten Firmenpleiten gab es im Jahr 2019 in Th\u00fcringen mit 36 Firmenpleiten je 10.000 Unternehmen. Aber auch in Baden-W\u00fcrttemberg und Brandenburg (je 41) und Bayern (43) mussten vergleichsweise wenig Firmen eine Insolvenz anmelden.<\/p>\n<p>Nach den absoluten Zahlen stehen die Bundesl\u00e4nder Nordrhein-Westfalen (5.492), Bayern (2.653), Baden-W\u00fcrttemberg (1.853) und Niedersachsen (1.511) an der Spitze der Insolvenzstatistik.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/02-firmeninsolvenzen-pro-bundesland-2019-10000-unternehmen-chart.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<h4>3. Prozentuale Ver\u00e4nderungen: St\u00e4rkste R\u00fcckg\u00e4nge in Th\u00fcringen, Bremen und Sachsen<\/h4>\n<p>In Th\u00fcringen (minus 34 Prozent), Bremen (23,8 Prozent) und in Sachsen (minus 17,7 Prozent) sind die Firmeninsolvenzen zweistellig gesunken.  Weniger Insolvenzen meldeten auch Brandenburg (minus 9,8 Prozent), Sachsen-Anhalt (minus 7 Prozent), Niedersachsen (minus 6,5 Prozent), Baden-W\u00fcrttemberg (minus 6,2 Prozent), Nordrhein-Westfalen (minus 3,2 Prozent), Hessen (minus 3 Prozent) und Rheinland-Pfalz (minus 1 Prozent). Den st\u00e4rksten Anstieg im Vergleich zum Jahr 2019 gab es in Hamburg mit einem Plus von 11,1 Prozent. Deutlich mehr Firmeninsolvenzen wurden auch im Saarland (plus 8,1 Prozent) und in Bayern (plus 6,6 Prozent) registriert.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/03-firmeninsolvenzen-pro-bundesland-2019-absolut-jahresvergleich-chart_0.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<h4>4. Firmeninsolvenzen nach Branchen: Logistik ist Insolvenzspitzenreiter<\/h4>\n<p>Die Logistik steht mit 80 Firmeninsolvenzen je 10.000 Unternehmen an der Insolvenz-Spitze der Auswertung der Hauptbranchen. In der Dienstleistungsbranche (78) und im Bauwesen (70) liegt die Insolvenzquote ebenfalls \u00fcber dem Durchschnitt (58). Dienstleistungsunternehmen haben mit 8.976 F\u00e4llen den h\u00f6chsten absoluten Anteil am Insolvenzgeschehen in Deutschland. Die geringste Insolvenzdichte gibt es mit 14 Pleiten je 10.000 Unternehmen in der Energiebranche.<\/p>\n<p>Eine weitere Unterteilung der Branchen zeigt, dass Detekteien mit 422 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen an der Spitze des Insolvenzrankings stehen. Es folgen Firmen aus der Branche der Post-, Kurier,- und Expressdienste mit 405 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen und Gastronomieunternehmen (361).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/04-firmeninsolvenzen-2019-branchen-tabelle.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<h4>5. Exkurs: D\u00fcrresommer trifft die Landwirtschaft<\/h4>\n<p>Der extreme D\u00fcrresommer 2018 hat die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland wirtschaftlich schwer belastet. Die Folgen des hei\u00dfen Sommers haben sich auch auf die Insolvenzzahlen in der Landwirtschaft negativ ausgewirkt. Im Jahr 2019 mussten 137 Unternehmen aus der Landwirtschaft eine Insolvenz anmelden und damit 19,1 Prozent mehr als vor einem Jahr (2018: 115). &#8222;Da in den Insolvenzstatistiken vor allem die Vergangenheit abgebildet wird, sie gewisserma\u00dfen ein Blick in den R\u00fcckspiegel sind, sind die Auswirkungen aus dem letzten Sommer erst jetzt sichtbar. Weniger Erl\u00f6se und h\u00f6here Kosten aufgrund der extremen Hitze sind die Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr den sprunghaften Anstieg der Insolvenzen in der Landwirtschaft&#8220;, erkl\u00e4rt CRIFB\u00dcRGEL Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Ingrid Riehl die Zahlen.<\/p>\n<h4>6. Firmeninsolvenzen nach Rechtsformen: Unternehmergesellschaft mit der h\u00f6chsten Insolvenzquote<\/h4>\n<p>Das h\u00f6chste Insolvenzrisiko in Bezug auf die Rechtsformen ging 2019 von der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschr\u00e4nkt) aus. Die Insolvenzdichte bei den UGs lag bei 198 Firmenpleiten je 10.000 Unternehmen und damit deutlich h\u00f6her als bei den Aktiengesellschaften (107) und bei den GmbHs (89). Deutlich weniger Insolvenzen im relativen Vergleich gab es bei den Gewerbebetrieben und Einzelunternehmen (37 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen) &#8211; auch wenn diese Rechtsform mit 41,6 Prozent den h\u00f6chsten Anteil am Insolvenzgeschehen in absoluten Zahlen in Deutschland hat.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/05-firmeninsolvenzen-2019-rechtsform-tabelle.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<h4>7. Firmeninsolvenzen nach Mitarbeiterzahl: Vor allem kleine Unternehmen von einer Insolvenz betroffen<\/h4>\n<p>Das Insolvenzgeschehen in Deutschland ist vor allem von kleinen Unternehmen gepr\u00e4gt. 15.502 bzw. 81,6 Prozent der insolventen Unternehmen hatten nicht mehr als f\u00fcnf Mitarbeiter. Der Anteil am Insolvenzgeschehen nimmt weiterhin mit steigender Zahl der Arbeitnehmer weiter ab. 7,8 Prozent der insolventen Unternehmen besch\u00e4ftigten zwischen 6 und 10 Mitarbeitern. Bei Firmen, die 51 oder mehr Angestellte haben, liegt der Anteil am Insolvenzgeschehen nur noch bei 2,7 Prozent (absolut 508).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/06-firmeninsolvenzen-2019-mitarbeiterzahl-tabelle.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<h4>8. Firmeninsolvenzen nach Unternehmensalter: Circa 14 von 100 insolventen Unternehmen sind nicht l\u00e4nger als 2 Jahre am Markt<\/h4>\n<p>13,7 Prozent der insolventen Firmen scheitern bereits in den ersten zwei Jahren nach ihrer Gr\u00fcndung. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Scheitern junger Unternehmen sind vielschichtig, aber vorrangig in der Gesch\u00e4ftsidee der Gr\u00fcnder zu sehen. Ist diese nicht marktf\u00e4hig oder werden die Produkte nicht effizient hergestellt, hat das Unternehmen keine \u00dcberlebenschance. Zudem machen den Gr\u00fcndern vor allem Marktver\u00e4nderungen, strategische Fehlentscheidungen und mangelnde fachliche Kompetenz zu schaffen. 58,2 Prozent der insolventen Unternehmen, inklusive der Jungunternehmer, sind nicht l\u00e4nger als 10 Jahre am Markt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/07-firmeninsolvenzen-2019-unternehmensalter-tabelle.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<h4>9. Anzeichen von Unternehmenskrisen und Insolvenzursachen<\/h4>\n<p>Es gibt in der Praxis typische Verhaltensmuster, die fr\u00fchzeitig auf eine prek\u00e4re Situation von Unternehmen hinweisen, etwa wenn eine schlechtere Zahlungsmoral oder Bonit\u00e4t, ein ver\u00e4ndertes Bestellverhalten oder eine h\u00e4ufige \u00c4nderung in der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung, Bankverbindung oder Firmierung auftreten. Indikatoren sind aber auch, wenn Zahlungen durch ungerechtfertigte M\u00e4ngelr\u00fcgen hinausgez\u00f6gert, m\u00fcndliche Zusagen gebrochen oder h\u00e4ufig Rechnungskopien angefordert werden. Zudem leisten sich die betroffenen Unternehmen keine Neuanschaffungen mehr und nutzen veraltete Produktionsanlagen. Hinweise auf eine finanzielle Schieflage liefert auch der Verbrauch von Eigenkapital \u00fcber Jahre hinweg oder die mehrfache Erh\u00f6hung der Kreditlinie (Fremdkapitaleinsatz). Beim Scheitern von Unternehmen gibt es h\u00e4ufig nicht die eine Insolvenzursache, sondern es sind mehrere Ausl\u00f6ser gemeinsam verantwortlich f\u00fcr die Zahlungsunf\u00e4higkeit. Die aktuelle konjunkturelle Lage ist nur ein Faktor, der den Erfolg oder Misserfolg von Unternehmen beeinflusst. Daneben gibt es unternehmensexogene und unternehmensendogene Ursachen f\u00fcr Firmenpleiten. Die Hauptursachen f\u00fcr Unternehmenspleiten sind nach wie vor das Ausbleiben neuer Auftr\u00e4ge bzw. Stornierung oder die Verschiebung bereits erteilter Auftr\u00e4ge. Zudem sorgen Dominoeffekte daf\u00fcr, dass zahlungsunf\u00e4hige Firmen weitere Unternehmen mit in die Insolvenz rei\u00dfen. Nicht zu untersch\u00e4tzen sind auch Fehler im Management, die dann das Unternehmen in die Pleite f\u00fchren. Hinzu kommen Kriterien wie eine fehlende Unternehmensplanung, kein Controlling oder ein unzureichendes oder fehlendes Debitorenmanagement.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic;\">Quelle: CRIF B\u00fcrgel GmbH<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Einleitung: Zehnter R\u00fcckgang in Folge Die Zahl der Firmeninsolvenzen ist in Deutschland 2019 erneut gesunken. Insgesamt meldeten im vergangenen Jahr 19.005 Unternehmen eine Insolvenz an. Damit verringerten sich die Firmenpleiten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,8 Prozent (2018: 19.552 Firmeninsolvenzen). Durch den mittlerweile zehnten R\u00fcckgang in Serie sind die Firmeninsolvenzen 2019 auf einen neuen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[203,22],"tags":[247,46,196,125,334,138,134,169,33,8,135,132,240,321,22],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3391"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3391"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3391\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3400,"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3391\/revisions\/3400"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3391"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3391"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3391"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}