{"id":2946,"date":"2015-12-09T15:30:52","date_gmt":"2015-12-09T13:30:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/?p=2946"},"modified":"2015-12-09T15:30:52","modified_gmt":"2015-12-09T13:30:52","slug":"studie-zahlungsausfallrisiko-von-unternehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/2015\/12\/09\/studie-zahlungsausfallrisiko-von-unternehmen\/","title":{"rendered":"Studie: Zahlungsausfallrisiko von Unternehmen"},"content":{"rendered":"<p><strong>8,8 Prozent der Unternehmen in Deutschland mit Zahlungsschwierigkeiten \u2013 Anteil von Unternehmen mit hohem Zahlungsausfallrisiko steigt um 2,3 Prozent<\/strong><\/p>\n<h4>1. Einleitung: 8,8 Prozent der Unternehmen in Deutschland mit Zahlungsschwierigkeiten<\/h4>\n<p>Immer mehr Firmen in Deutschland haben finanzielle Probleme. Dies belegt eine aktuelle Studie der Wirtschaftsauskunftei B\u00fcrgel, in der 3.317.706 Unternehmen hinsichtlich ihrer Finanzlage analysiert worden sind. Die Anzahl insolvenzgef\u00e4hrdeter Unternehmen stieg demnach im November 2015, im Vergleich zum Februar dieses Jahres, um 2,3 Prozent. Insgesamt haben 292.750 (8,8 Prozent) der Unternehmen erhebliche Zahlungsschwierigkeiten und bergen das Risiko, eventuell eine Insolvenz anmelden zu m\u00fcssen.<br \/>\n\u201eTrotz der guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen f\u00fcr die Unternehmen stieg die Zahl der Firmen mit einem hohen Zahlungsausfallrisiko\u201c, sagt B\u00fcrgel Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dr. Norbert Sellin zu der aktuellen Entwicklung. \u201eNicht alle diese Unternehmen sind akut von einer Insolvenz bedroht. Es ist denkbar, dass die Firmen auch erst in zwei oder drei Jahren vor der Pleite stehen oder sich wieder erholen. Die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls ist bei den Firmen jedoch deutlich h\u00f6her als bei finanziell besser gestellten Unternehmen.\u201c<br \/>\nDie aktuelle Wirtschaftslage ist nur ein Faktor, der den Erfolg oder den Misserfolg von Unternehmen beeinflusst. Daneben gibt es weitere unternehmensexogene und unternehmensendogene Ursachen f\u00fcr Unternehmenskrisen. \u00c4nderungen gesetzlicher Rahmenbedingungen, technischer Wandel, Wechselkurs\u00e4nderungen im Au\u00dfenhandel oder die Insolvenz eines wichtigen Gesch\u00e4ftspartners sind Beispiele f\u00fcr Einfl\u00fcsse von au\u00dfen, die ein Unternehmen auf die schiefe finanzielle Bahn lenken k\u00f6nnen. Unternehmensendogene Ursachen, wie zum Beispiel geringe Eigenkapitalbasis, M\u00e4ngel im Produktbereich (Qualit\u00e4t, Preis, Produkteigenschaften), F\u00fchrungsprobleme oder Managementfehler k\u00f6nnen in allen betrieblichen Funktionsbereichen begr\u00fcndet liegen.<\/p>\n<h4>2. Studienhintergrund: Milliardensch\u00e4den durch Zahlungsausf\u00e4lle<\/h4>\n<p>Es gibt zahlreiche Studien zur \u00dcberschuldungssituation bei Verbrauchern. Vergleichbare Analysen zu Unternehmen sind kaum zu finden. Aber: Durch Insolvenzen und Zahlungsausf\u00e4lle entstehen erhebliche gesamtwirtschaftliche Kosten. Die durch Insolvenzen entstandenen Sch\u00e4den liegen j\u00e4hrlich im zweistelligen Milliardenbereich. Daher hat B\u00fcrgel \u00fcber drei Millionen Unternehmen hinsichtlich ihrer Zahlungsf\u00e4higkeit untersucht. Im Jahr 2015 rechnet die Wirtschaftsauskunftei mit bis zu 23.700 Unternehmensinsolvenzen. Die Insolvenz ist dabei Ausgangspunkt f\u00fcr die Sanierung oder ggfs. die Liquidation des Betriebs. Zuvor befinden sich die betroffenen Unternehmen bereits in einer finanziellen Schieflage. H\u00e4ufig k\u00f6nnen gerade h\u00f6here Rechnungen nicht mehr bezahlt werden, was zu dramatischen Folgen auch f\u00fcr andere Unternehmen f\u00fchren kann. Die Insolvenz von Gesch\u00e4ftspartnern ist unter Umst\u00e4nden eine Gefahr f\u00fcr die Liquidit\u00e4t und damit f\u00fcr den Fortbestand des eigenen Betriebs. Schlittern Vertragspartner in die Zahlungsunf\u00e4higkeit, stellt das gerade mittelst\u00e4ndische und kleine Unternehmen vor erhebliche finanzielle Probleme. Insbesondere die betroffenen KMU verf\u00fcgen oft nicht \u00fcber ausreichendes Eigenkapital, um das z\u00f6gerliche Zahlungsverhalten ihrer Kunden zu kompensieren, denn: Erstens bedeuten Zahlungsverz\u00f6gerungen oder -ausf\u00e4lle bei Partnern zus\u00e4tzliche Mehrarbeit und entsprechende Kosten f\u00fcr den eigenen Betrieb. Zweitens ist es in vielen Branchen \u00fcblich, dass ein Unternehmen mit seiner Arbeitsleistung und den Materialkosten in Vorleistung tritt. Die unter Zahlungsverz\u00f6gerungen und -ausf\u00e4llen leidenden Firmen fungieren damit als Kreditgeber. Sie tragen so auch das finanzielle Risiko. Dies f\u00fchrt in den Betrieben, vor allem, wenn Forderungsausf\u00e4lle besonders hoch sind, zu eigenen finanziellen Engp\u00e4ssen und im schlimmsten Fall zur eigenen Insolvenz.<\/p>\n<h4>3. Studiendesign: Analyse der Finanzlage von Unternehmen<\/h4>\n<p>Der zentrale Indikator der Studie ist der Bonit\u00e4tsindex der Unternehmen. Dieser Fr\u00fchwarnindikator dient der Beurteilung der Zahlungsf\u00e4higkeit und der Ausfallwahrscheinlichkeit von Unternehmen binnen der n\u00e4chsten zw\u00f6lf Monate. In der Studie hat B\u00fcrgel eine Vielzahl von Informationen zur Finanzlage der Unternehmen, die Aufschluss \u00fcber die Zahlungsf\u00e4higkeit eines Unternehmens geben, ausgewertet. Dazu geh\u00f6ren u.a. Angaben in den Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen, Mitarbeiter- und Umsatzzahlen oder Zahlungserfahrungen. Au\u00dferdem flie\u00dfen Informationen zu vorhandenen gerichtlichen Negativmerkmalen in die Analyse mit ein. Laut der aktuellen B\u00fcrgel Auswertung  haben im November 292.750 Firmen in Deutschland derzeit ein sehr hohes Zahlungsausfallrisiko (Stichtag: 25. November 2015). Anders ausgedr\u00fcckt sind 8,8 Prozent der insgesamt \u00fcber drei Millionen von B\u00fcrgel f\u00fcr die Studie auf Zahlungsf\u00e4higkeit untersuchten Unternehmen gef\u00e4hrdet, denn:  Die betroffenen Unternehmen verf\u00fcgen \u00fcber einen Bonit\u00e4tsindex im Bereich zwischen  4,5 bis 6,0.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/00-prozentualer-anteil-unternehmen-je-risikoklasse-tabelle1.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<p>Das bedeutet, dass diese Firmen \u2013 von der Kapitalgesellschaft bis hin zum Einzelunternehmer \u2013 ihren Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nachkommen k\u00f6nnen. Allerdings bedeutet der statistische Wert nicht explizit, dass die betroffenen Unternehmen alle Insolvenz anmelden m\u00fcssen. Er sagt lediglich aus, dass die Betroffenen \u00fcber eine ausgepr\u00e4gt schwache Bonit\u00e4t verf\u00fcgen und damit besonders insolvenzgef\u00e4hrdet sind. Der Gro\u00dfteil (45,4 Prozent) der Unternehmen in Deutschland liegt allerdings in der Risikoklasse 2,0 bis 2,4 und weist damit aktuell ein unterdurchschnittliches Ausfallrisiko aus.<\/p>\n<h4>4. Bundesl\u00e4nder: 12,8 Prozent der Unternehmen in Sachsen-Anhalt droht die Zahlungsunf\u00e4higkeit<\/h4>\n<p>Laut der aktuellen Analyse bergen 292.750  Firmen in Deutschland derzeit ein sehr hohes Zahlungsausfallrisiko. Dies entspricht 8,8 Prozent der \u00fcber drei Millionen ausgewerteten Firmen. Die Gefahr einer Pleite ist jedoch regional unterschiedlich ausgepr\u00e4gt. Die h\u00f6chste Insolvenzgefahr geht von Unternehmen in Sachsen-Anhalt aus. Aktuell sind 12,8 Prozent der Unternehmen dort in einer finanziellen Schieflage und somit von einer drohenden Zahlungsunf\u00e4higkeit betroffen. Aber auch in Sachsen (12,1 Prozent), Berlin (11,0 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (10,6 Prozent), Nordrhein-Westfalen (9,8 Prozent), Th\u00fcringen (9,6 Prozent), Brandenburg  (9,5 Prozent), Bremen (9,2 Prozent) und Hamburg (9,0 Prozent) ist die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls seitens der Unternehmen h\u00f6her als im Bundesdurchschnitt. Ein geringeres Risiko geht von Unternehmen in Bayern aus. Hier drohen 6,6 Prozent der Unternehmen mit ihren Zahlungen auszufallen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/01-anteil-firmen-erhoehtes-zahlungsausfallrisiko-pro-bundesland-karte1.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<h4>5. Prozentuale Ver\u00e4nderungen: Entwicklung in den Bundesl\u00e4ndern unterschiedlich ausgepr\u00e4gt<\/h4>\n<p>In 14 Bundesl\u00e4ndern hat sich die Zahl insolvenzgef\u00e4hrdeter Unternehmen erh\u00f6ht. Den st\u00e4rksten Anstieg gab es im November im Vergleich zum Februar im Saarland. Hier stieg die Anzahl der Firmen, die von einem Zahlungsausfall bedroht sind, um 6,7 Prozent. Es folgen Bremen (plus 4,4 Prozent), Sachsen (plus 4,0 Prozent), Rheinland-Pfalz (plus 3,5 Prozent), Baden-W\u00fcrttemberg (plus 3,4 Prozent) und Hamburg (plus 3,3 Prozent). In Mecklenburg-Vorpommern (minus 2,6 Prozent) und Th\u00fcringen (minus 0,9 Prozent) nimmt die Zahl der Unternehmen mit einer erh\u00f6hten Insolvenzwahrscheinlichkeit ab.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/04-anteil-firmen-erhoehtes-zahlungsausfallrisiko-pro-branche-chart1.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<h4>6. Gro\u00dfstadtranking: Chemnitzer Unternehmen mit dem h\u00f6chsten Pleiterisiko<\/h4>\n<p>Auch eine Analyse der 30 gr\u00f6\u00dften St\u00e4dte zeigt regionale Unterschiede hinsichtlich des  Zahlungsausfallrisikos von Unternehmen. Demnach haben Firmen in Chemnitz das h\u00f6chste Insolvenzrisiko, 13,9 Prozent der Firmen sind von einer Zahlungsunf\u00e4higkeit bedroht. Es folgen mit Duisburg (13,0 Prozent der Firmen von Insolvenz bedroht) und Gelsenkirchen (12,9 Prozent) zwei St\u00e4dte aus Nordrhein-Westfalen. Weniger Risiko bergen die Unternehmen in M\u00fcnchen (6,3 Prozent) und Stuttgart (6,7 Prozent).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/03-anteil-firmen-erhoehtes-zahlungsausfallrisiko-pro-stadt-tabelle_01.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<h4>7. Branchenanalyse: Unternehmen aus dem Gastgewerbe und der Logistik mit h\u00f6chster Gef\u00e4hrdung<\/h4>\n<p>Je nach Branchenzugeh\u00f6rigkeit der untersuchten Unternehmen zeigen sich deutliche Unterschiede bei der Zahlungsf\u00e4higkeit. Am st\u00e4rksten betroffen von m\u00f6glichen Zahlungsausf\u00e4llen sind Unternehmen aus dem Gastgewerbe (Insolvenzrisiko liegt bei 14,4 Prozent) und aus der Logistik (12,7 Prozent). Zudem haben Firmen aus dem Baugewerbe ein h\u00f6heres Risiko, Insolvenz anmelden zu m\u00fcssen. Der Anteil gef\u00e4hrdeter Unternehmen liegt hier bei 9,8 Prozent. Das geringste Risiko von Zahlungsausf\u00e4llen haben Unternehmen aus dem Energiesektor. Lediglich 2,5 Prozent der Firmen sind von einem h\u00f6heren Zahlungsausfallrisiko betroffen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/04-anteil-firmen-erhoehtes-zahlungsausfallrisiko-pro-branche-chart1.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<h4>8. Rechtsformen: Hohe Zahlungsausfallwahrscheinlichkeit bei der Unternehmergesellschaft<\/h4>\n<p>13,5 Prozent der Unternehmergesellschaften (haftungsbeschr\u00e4nkt) droht eine Insolvenz. Damit nimmt die UG den schlechtesten Wert aller Rechtsformen an. Aber auch bei den Gewerbebetrieben (12,7 Prozent) und der Gesellschaft b\u00fcrgerlichen Rechts (10,9 Prozent) liegt der Anteil insolvenzgef\u00e4hrdeter Unternehmen \u00fcber dem Durchschnitt. Ein geringes Insolvenzrisiko bergen Aktiengesellschaften. Nur 3,9 Prozent aller AGs sind von einer Pleite bedroht.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.bid-coburg.de\/news\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/05-anteil-firmen-erhoehtes-zahlungsausfallrisiko-rechtsform-chart1.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" class=\"rahmen\" \/><\/p>\n<h4>9. Anzeichen einer drohenden Insolvenz<\/h4>\n<p>Es gibt in der Praxis typische Verhaltensmuster, die fr\u00fchzeitig auf eine prek\u00e4re Situation von Unternehmen hinweisen: etwa wenn eine schlechtere Zahlungsmoral, ein ver\u00e4ndertes Bestellverhalten oder eine h\u00e4ufige \u00c4nderung in der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung, Bankverbindung oder Firmierung auftreten. Indikatoren sind aber auch, wenn Zahlungen durch ungerechtfertigte M\u00e4ngelr\u00fcgen hinausgez\u00f6gert, m\u00fcndliche Zusagen gebrochen oder h\u00e4ufig Rechnungskopien angefordert werden.  Zudem leisten sich die betroffenen Unternehmen keine Neuanschaffungen mehr und nutzen veraltete Produktionsanlagen. Hinweise auf eine finanzielle Schieflage liefert auch der Verbrauch von Eigenkapital \u00fcber Jahre hinweg oder die mehrfache Erh\u00f6hung der Kreditlinie (Fremdkapitaleinsatz).<\/p>\n<p><em>Quelle: B\u00dcRGEL Wirtschaftsinformationen GmbH &#038; Co. KG<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>8,8 Prozent der Unternehmen in Deutschland mit Zahlungsschwierigkeiten \u2013 Anteil von Unternehmen mit hohem Zahlungsausfallrisiko steigt um 2,3 Prozent 1. Einleitung: 8,8 Prozent der Unternehmen in Deutschland mit Zahlungsschwierigkeiten Immer mehr Firmen in Deutschland haben finanzielle Probleme. 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