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Binnenmarkt macht’s möglich: Indonesiens Wirtschaft wächst trotz Krise

Donnerstag, 01. Oktober 2009

Während die Tigerstaaten Südostasiens wie Singapur, Malaysia und Thailand, ausgelöst von der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise mit einer ausgeprägten Rezession zu kämpfen haben, behauptet sich Indonesien gegen den Abwärtstrend. Motor des Wachstums ist die Binnenkonjunktur.

Noch bis vor kurzem sah es so aus, als hätte der Inselstaat zwischen indischem und pazifischem Ozean die Chancen der Globalisierung verpasst. Doch mit einer vergleichsweise bescheidenen Exportquote von 27 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (511,8 Mrd. USD) und einer ebenso mageren Außenhandelsbilanz von 7,8 Mrd. USD erwirtschaftete Indonesien 2008 trotz Wirtschafts- und Finanzkrise ein BIP-Wachstum von 6,1 Prozent. Das Wachstum soll sich Prognosen zufolge, wenn auch nur um gut vier Prozent, 2009 fortsetzen und 2010 wieder die Hürde von sechs Prozent überschreiten. Die Gründe für die positive Entwicklung sind vielfältig. Vor allem aber expandiert die Binnennachfrage, die fast 60 Prozent des BIP ausmacht, kräftig. Sie wird durch sinkende Preise für Nahrungsmittel und Energie sowie das Ende Februar 2009 verabschiedete Konjunkturprogramm in Höhe von rund 6,9 Mrd. USD stimuliert. Dieses beinhaltet neben Steuersenkungen für Unternehmen und Haushalte Transferzahlungen sowie Lohnerhöhungen für Staatsangestellte.

Boomtown Jakarta: Indonesiens Wirtschaft wächst vor allem aufgrund der starken Binnennachfrage.In der Wirtschaftskrise 1997/98 wurde eine Vielzahl von Investitionen im Bereich Infrastruktur zurückgestellt. Dies, eine steigende Bevölkerungszahl und die in den letzten Jahren anziehenden Wachstumsraten der indonesischen Wirtschaft erhöhen den Bedarf an Infrastruktur, insbesondere bei Energie (Öl-/Gasförderung, Pipelines, Elektrizität), Telekommunikation, Transport (Schiene, See- und Flughäfen), Wasserversorgung und Mautstraßen, ohne dass die Engpässe bisher nennenswert abgebaut werden konnten. Daraus ergeben sich zahlreiche Chancen für den deutsch-indonesischen Handel, dessen Volumen sich 2007 bereits um gut neun Prozent gegenüber 2006 auf 4,7 Mrd. Euro erhöhte. Vor allem Investitionsgüter werden verstärkt importiert. Potenzielle Investoren beklagen zwar unverändert zu lange Genehmigungszeiten für die Zulassung von Unternehmen, Korruption und die Unsicherheit bei der Durchsetzung von Rechtsansprüchen. Dennoch stieg die Realisierung ausländischer Investitionen 2008 gegenüber dem Vorjahr um 43,8 Prozent auf 14,87 Mrd. USD.

Quelle: Auswärtiges Amt, destatis, F.A.Z. Institut

China investiert kräftig in Infrastruktur

Dienstag, 03. Februar 2009

Die Zeiten sind auch in China schwieriger geworden. Chinas exportorientierte Wirtschaft verliert derzeit massiv an Kraft, nach den durchwegs zweistelligen Wachstumsraten der vergangenen Jahre bremste sich das Wachstum im letzten Quartal 2008 auf 6,8 Prozent ab. Dennoch könnte die Welt von der Krise profitieren, meinen führende Wirtschaftsexperten.

Zu erwarten ist in China in diesem Jahr nur noch ein Wachstum zwischen 5 und 7,5 Prozent, prognostizieren Experten. Chinas Industrieproduktion stieg im ganzen Jahr um 12,9 Prozent, das sind 5,6 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Millionen von Arbeitern haben bereits ihre Arbeit verloren. Rund ein Fünftel aller Wanderarbeiter, die zum Neujahrsfest am Wochenende in ihre Heimatdörfer heimkehren, seien von Fabrikschließungen oder der Einstellung der Produktion betroffen, schätzte das Statistikamt. Dennoch könnte die Welt von der Krise profitieren, meint der Weltbank-Chefökonom Justin Yifu Lin. Die gegenwärtige Lage gebe der chinesischen Regierung eine wichtige Chance. “Sie kann jetzt ein Investitionsprogramm verabschieden, das sie schon vor einigen Jahren auflegen wollte.”

Als Reaktion auf die Krise hat die chinesische Regierung ein massives Konjunkturpaket in Höhe von 568 Milliarden Dollar geschnürt, umgerechnet etwa 15 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts. Lin: “Das ist der größte fiskalische Stimulus in der Geschichte der Menschheit.” Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua sollen bis 2010 Investitionen in Höhe von vier Billionen Yuan vor allem in Infrastruktur- und Sozialprojekte fließen. Finanziert werden demnach Programme in zehn Hauptbereichen. Darunter sind der Wohnungsbau für untere Einkommensschichten, die Infrastruktur im ländlichen Raum, Projekte der Wasser- und Elektrizitätswirtschaft, das Transportwesen, Umweltschutz und technische Innovationen. Der chinesische Staatsrat verkündete zudem eine Lockerung der Geldpolitik und signalisierte damit die Bereitschaft zu weiteren Zinssenkungen.

Der Internationale Währungsfond hofft nun, dass sich dieser Schritt auch positiv auf die Weltwirtschaft auswirkt. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn sagte, das Konjunkturpaket werde auch positive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. “Der IWF vertritt bereits seit langem die Auffassung, dass China seine Politik eines vom Export angetriebenen Wachstums hin zu einem von der Binnennachfrage angetriebenen Wachstum ändern sollte.” Er sei daher sehr froh über die Entscheidung der chinesischen Regierung.

Kampf gegen den Smog: China will den Ausstoß von Schadstoffen eindämmen und muss dazu Technologien aus Hocheinkommensländern wie Deutschland importieren.Diese Einschätzung teilt auch Weltbank-Chefökonom Justin Yifu Lin. China investiere in Infrastruktur auf dem Land und habe bereits Maßnahmen ergriffen, um etwa den Ausstoß von Schwefel- und Kohlendioxid einzudämmen. Man wolle beispielsweise die Emissionen von Schwefeldioxid und anderen Schadstoffen innerhalb von fünf Jahren um zehn Prozent reduzieren. Im gleichen Zeitraum soll die Energieintensität der Wirtschaft um 20 Prozent sinken. Fabriken erhalten die Auflage, neue Technologien zu benutzen, um sauberer zu produzieren. Um zu investieren, müsse China Kapitalgüter aus Hocheinkommensländern importieren, so Lin. Solange die chinesische Wirtschaft eine Wachstumsrate von sieben oder acht Prozent halten könne, werde auch die Nachfrage nach vielen anderen Gütern steigen, zum Beispiel nach Mobiltelefonen oder Autos. Lin: “Sobald die Projekte umgesetzt werden, steigen die Investitionen. Die Wachstumsrate könnte deshalb bald wieder steigen.” Die Voraussetzungen seien gut: “Es gibt ausreichend sinnvolle Investitionsmöglichkeiten. Zugleich wächst China sehr schnell und hat eine hohe Sparrate - es gibt also genügend Kapital.”

Quelle: Internationaler Währungsfond, Handelsblatt, ZEIT-Online


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